Walker Brothers – NITE FLIGHTS

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Walker Brothers – NITE FLIGHTS

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Nite-Flights-coverExperimentelle nächtliche Exkursionen: Der zweite Frühling der falschen Brüder, der keiner wurde.

Als sich das US-Trio The Walker Brothers 1975 nach acht Jahren Kreativpause unvorhergesehen reformierte, zählte die Fan-Hysterie der Beat-Ära längst zur Vergangenheit. Als kleinster gemeinsamer Nenner erneuter Weggemeinschaft lässt sich sicherlich auch der geringe Tonträgerabsatz der Solointerpreten Scott, John und Gary Walker ausmachen. Erfolg beschieden war nach der Trennung 1967 ohnehin nur Scott Walker, der produktive zehn Alben, darunter auch die Meilensteine SCOTT 1, 2, 3 und 4, lieferte und zeitweise gar eine eigene Show im britischen Fernsehen moderierte. In verändertem Konzept wagten die Walker Brothers einen Neuanfang mit drei Alben: NO REGRETS beschwor Country-Pop, auf LINES dominierten Mainstream-Pop-Balladen. Aus dem Rahmen fällt das finale dritte Werk NITE FLIGHTS 1978 zum Höhepunkt der Disco-Ära. In straffer Produktion, die Gitarre, Bass, Schlagzeug und Saxofon damaligen Neuerrungenschaften wie Synthesizer und Sequenzer gegenüberstellt, gelingt ein bemerkenswert eigenwilliger Lied-Zyklus. Ein Songreigen, der sich weder New noch Old School verpflichtet fühlt, die zehn Tracks sind auf Soul, Disco, Funk und Experiment geeicht. Scott Walker eröffnet mit vier Songs, darunter ›Shutout‹, ›Fat Mama Kick‹ und dem Titelstück – immerhin das erste selbstkomponierte Material seit ‚TIL THE BAND COMES IN von 1970. Mit der elegischen Eigenbrötlerei ›The Electrician‹ erlaubt sich Scott Walker gar, die karge Aura seiner 84er-Produktion CLIMATE OF HUNTER vorweg zu nehmen – eine akribische Studie über die Ursprünge von Todessehnsucht, Völkermord und Faschismus. Gary Walkers Disco-Oden ›Den Haague‹ und ›Death Of Romance‹ umspielt ebenso ein gewisser Charme wie John Walkers zwischen Hard-Rock (›Rhythms Of Vision‹) und Soul-Funk (›Disciples Of Death‹) angelegte Visionen. Längst als zumindest kleiner Meilenstein apostrophiert, fristete das Werk trotz Kritikerwohlwollen seinerzeit ein echtes Ladenhüterdasein.

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