Slade: Titelstory – Komm und spür den Lärm!

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Slade: Titelstory – Komm und spür den Lärm!

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Nach ihrer Rückkehr von den Bahamas lernten die vier den Mann kennen, der ihre Karten neu mischen und ihre Geschichte für immer verändern sollte. Chas Chandler wurde der neue Manager und Produzent der ’N Betweens und drängte die Band prompt dazu, ihren Namen in Ambrose Slade zu ändern, was schließlich im Jahr 1970 auf Slade zusammengekürzt wurde. Chandler experimentierte mit ihrem Look und ermutigte Noddy und Jim nachdrücklich dazu, endlich an eigenem Material zu arbeiten.

Warum hat euch Chas Chandler kurzzeitig mal zur Skinhead-Band umgemodelt?

D: Chas Chandler war die eine Person, die uns wirklich bei unserem Durchbruch geholfen hat. Er war selbst als Bassist bei den Animals dabei und hat Jimi Hendrix groß rausgebracht. Er hatte uns in einem kleinen Club in London gesehen. Danach meinte er: „Ihr bringt frischen Wind in die Sache. Wie ihr diese Nummern spielt, wie ihr mit dem Publikum interagiert!“ Und erwollte uns managen. So geschah es dann auch. Diese Skinhead-Sache war schließlich reiner Frust. Als wir Chas trafen, hatten wir lange Haare und sahen aus wie die meisten anderen Bands. Ein bekannter Publizist, der auch die PR für die Rolling Stones machte, schlug Chas vor, es doch einmal mit dem Skinhead-Look zu versuchen. Die beiden dachten, so würden wir aus der Masse hervorstechen. Und wir nur so: „Oh nein, alles, aber bitte nicht das!“ (lacht) Wir haben es trotzdem gemacht, weil Chas ein wirklich wichtiger Typ war und wir ihm nicht widersprechen wollten. Aber es brachte uns auch keinen Hit ein. Schließlich ließen wir uns die Haare wieder wachsen und nahmen dann den Little-Richard-Song ›Get Down And Get With It‹ auf. Da wir für das Stiefelstampfen bekannt waren, haben wir das mitaufgenommen.Und plötzlich wurden wir im Radio gespielt. Ich erinnere mich daran, wie ich auf die Ergebnisse der Charts wartete. Der Song stieg niedrig ein, kletterte aber langsam hoch und brachte uns schließlich unseren ersten Auftritt bei „Top Of The Pops“ ein. Ich hatte meinen Pony kurz geschnitten und das ganze Glitzerzeug an, Noddy trug seine Schiebermütze und eine Hose wie Rufus der Bär. Dawaren wir also und standen kurz vor unserer ersten Nummer eins. Im Leben nehmen die Dinge oft einen unerwarteten Lauf. Vielleicht hat das Skinhead-Ding am Ende doch funktioniert, weil man uns dadurch kannte, auch wenn viele diesen Look unsympathisch fanden. Rückblickend kann man diese Puzzleteile stringent zusammenfügen, aber wenn du gerade mit-tendrin steckst, weißt du nicht, wie die nächste Etappe aussieht.

Nur wenig später, 1971, hattet ihr mit ›Cuz I Love You‹ eure erste Nummer eins. Erinnert ihr euch an das Gefühl von damals?

N: Ach, das war fantastisch! Das war ja immer unser großer Traum gewesen. Natürlich geht man nicht davon aus,dass einem das jemals gelingen würde, aber ich hatte immer eine große Zuversicht, dass wir mit dem richtigen Song zur richtigen Zeit den Durchbruch schaffen könnten. Seit der ersten Probe hegte ich großes Vertrauen in die Band, weil wir eine tolle Gruppe waren. Als wir unseren ersten Hit landeten, war ich auf Wolke sieben. Aber dann kommt Druck ins Spiel, weil klar ist, dass du etwas noch Besseres nachlegen musst. Das Label sitzt dir im Nacken und will mehr. Wir konnten uns Gott sei Dank auf die Führung von Chas Chandler verlassen. Er war ein sehr strenger Mann. Dieser Typ war fast zwei Meter groß und ein Geordie, also aus Newcastle, ein absolut harter Typ. Er verlangte uns viel Disziplin ab und hatte einen Plan für uns, schon lange, bevor uns irgendwer kannte. Obwohl wir die Leute live total packten, schafften wir es lange nicht in die Charts. Viele seiner Kollegen rieten Chas damals, uns endlich fallen zu lassen, aber er war überzeugt, dass es noch passieren würde. Nach ›Get Down AndGet With It‹ drängte er uns dazu, endlich unser eigenes Material zu schreiben. Er meinte: „In einer Woche kommt ihr mit einem Hit zu mir zurück“. Jim besuchte mich danach in meinem Elternhaus, er hatte seine Violine dabei. Wir zogen diese Melodie aus dem Hut, zu der wir uns immer aufwärmten und Jims Geige stimmten – ein jazziger Django-Reinhardt-Jam. Ein sehr einfacher Rhythmus, einfache Akkorde. Ich fügte eine nicht weniger simple Gesangsmelodie hinzu – catchy! In 20 Minuten hatten wir ›Coz I Luv You‹ fertig und spielten es Chas auf Akustikgitarre und Geige vor. Er sagte: „Ich glaube, dass ihr eure erste Nummer eins geschrieben habt“. Wir erwiderten nur: „Ach fick dich, Chas, rede nicht so einen Stuss“. Aber am Ende hatte er Recht. Wir gingen ins Studio und nahmen alles sehr schnell auf. Um das Ganze zu sladifizieren, fügten wir erneut das Stampfen und Klatschen hinzu. Binnen zweier Wochen kletterte ›Coz I Luv You‹ an die Spitze und war auch groß in Deutschland, Japan, Neuseeland, fast weltweit. Nur wenig später kam SLADE ALIVE! raus und wir wurden langsam wirklich berühmt. Dieses Album machte uns einem viel größeren Publikum zugänglich. Als wir bei „Top Of The Pops“ waren, eilten wir danach sofort zu der Venue von SLADE ALIVE!. Wir haben drei Abende hintereinander gespielt, der zweite Abend ist auf dem Album gelandet. Das Ganze hat uns insgesamt 400 Pfund gekostet. In den UK war die Platte über ein Jahr lang in den Charts, in Australien sogar sechs Monate lang auf Platz eins. Die Gewinnspanne war wirklich enorm.

D: Unser Einfluss verbreitete sich sehr schnell und die Beatles hatten uns den Weg gezeigt. Die Beatles wie auch wir hörten diese amerikanischen Künstler und machten etwas Neues daraus. Das damals war eine sehr interessante Zeit in der Musikgeschichte. Es gab keine Computer, keine Smartphones. Die Leute waren verliebt in Popstars oder interessierten sich für Sport. Viel mehr gab es nicht. Jeder kaufte Platten und Alben und dann lud man seine Freunde ein und hörte die Musik zusammen,weil sich nicht jeder Vinyl leisten konnte. Musik war alles und allgegenwärtig. Es war wundervoll. Es war der Anfang von Slade

hr hattet dann eine unglaubliche Serie an Chart-Platzierungen am Laufen …

N: Wir waren ja auch ständig am Arbeiten. Das Label und Chas drängten uns dazu. Wir sollten jährlich ein Album herausbringen, dazu noch mindestens drei Singles. Und auch wir selbst wollten immer weitermachen, unser Ego beflügelte uns. Wir wollten diesen Erfolg nicht loslassen. Das einzige Problem war wirklich die Koordination zwischen den Aufnahmen und dem Touren. Die Hits waren für Slade das Tüpfelchen auf dem i, aber unsere Live-Shows waren immer am wichtigsten.

Bis heute seid vor allem ihr beide für eure Outfits im kollektiven Musikgedächtnis verankert. Wie kam es zu diesen verrückten Klamotten?

N: Es gibt ja Leute, die finden, dass das alles von der Musik ablenken würde. Aber ich und Dave waren uns schon immer einig. Jede Band, die wir mochten, hatte ein gewisses Image oder einen Look. Und wir wollten für Slade von Anfang an dasselbe. Wir wurden immer bunter und größenwahnsinniger im Fernsehen, weil die Leute am nächsten Tag in den Pubs über uns sprachen. Egal ob sie uns mochten oder hassten, sie redeten über uns.

D: Was in den 70ern für uns und speziell für mich ausgezeichnet war: dass das Farbfernsehen aufkam. Ich trug all diese ausgefallenen Klamotten und erst mit dem Farbfernsehen kam der ganze Effekt richtig rüber. In den 60ern war alles schwarzweiß, aber in den 70ern ging es um Slade und Farben und Marc Bolan und Rod Stewart und all diese Künstler, die sich ihre Sporen in den 60ern verdient haben. Wir hatten großartige Songs und mit den Outfits konnte man dieses Paket abrunden. Auf Platte war natürlich immer wichtig, wie gut ich Gitarre spiele, wie Nod singt, wie die anderen ablieferten. Aber visuell gesehen erinnern sich die Leute, bei allem Respekt den anderen gegenüber, immer an Nod und mich. Viele erzählen uns, dass sie „Top Of The Pops“ nur ansahen, weil sie wissen wollten, was ich tragen würde.

David, was war dein verrücktestes Outfit?

D: Ach, da gab es einige. Ich war damals oft im KensingtonMarket in London shoppen. Dort arbeitete Freddie Mercury und er erzählte allen, dass er einmal in einer Band sein und ganz groß rauskommen würde. Auf dem Markt wurden diese Plateauschuhe gemacht. Solche trug damals noch niemand. Ich ging also rein und fragte: „Kannst du die auch mit drei Etagen machen?“ Und der Kerl meinte:„Dave, ich kann dir auch sechs Etagen zusammenbasteln“. Drei reichten mir aber. (lacht) Ich kombinierte sie mit sil-bernen Klamotten und alle liebten diesen Look. Ich liebte es auch, weil ich recht klein bin und so plötzlich größer war. Die wirklich bizarren Kostüme kamen dann etwas später. Eines davon kennt man bestimmt. Ich wollte etwas Ägyptisches schaffen und klebte all diese runden Spiegel auf einen Schleier, der aussah wie der einer Nonne. Es gibt da diese Geschichte, als wir bei „Top Of The Pops“ waren, kurz bevor ›Cum On Feel The Noize‹ erschien. Ich zog mich um und Chas fand das Outfit fantastisch. Er meinte: „Das bringt uns die Nummer eins ein“. Jim mochte es überhaupt nicht, aber ich pflegte immer zu sagen: „Du schreibst sie, ich verkaufe sie“, das war mein Spruch. Ich trug also dieses Kostüm bei „Top Of The Pops“ und es haute Rod Stewart von der Chartspitze. Einer von seiner Bandmeinte danach: „Oh nein, ich kann diesen David mit seinen lächerlichen Kostümen nicht leiden“.

N: Dave wollte einfach immer noch einen draufsetzen. Wir durften seine Outfits vorab nie sehen. Er zog sich deswegen stets auf dem Klo um und wir wussten, wann er fast fertig war, weil man sein Haarspray hören konnte– „Pff Pff Pff“. (lacht) Ich rief dann immer: „Come on H, rrrrreveal!“ [,Komm schon, H, zeige dich!‘; Anm. d. Red] Er dackelte schließlich in seinem Outfit daher und Don und ich kugelten uns am Boden vor Lachen. Das eine Kostüm nannte ich die „Metalnonne“, ein anderes bestand aus vielen Federn, also taufte ich es „Foghorn Leghorn“, nachdem Hahn von den Looney Tunes. Es war ihm scheißegal, wie viel wir lachten. Aber Jim hasste es von ganzem Herzen, wenn Dave sich so anzog. Oft ist er kurz von Fotoshootings oder Fernsehauftritten abgehauen, weil er sich weigerte, zusammen mit Dave aufzutreten.

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